PhysioTape feiert 10-jähriges Jubiläum (Ton Harleman -TwenteVisie 2008)

 

Nach einer eindrucksvollen Kariere bei den deutschen Proficlubs MSV Duisburg und Borussia Dortmund, beendete Alfred Nijhaus vor zehn Jahren seine Fußballlaufbahn bei Urawa Red Diamons in Japan. In dem Land der aufgehenden Sonne kam Nijhuis mit Kinesiotape in Berührung. Ein spezielles Tape mit dem Verletzungen schnell und auf eine natürliche Weise behandelt werden konnten. Nijhuis war sehr beeindruckt von dem Tape und nahm es mit in die Niederlande, wo er es seinem Schwager Gert-Jan Olthoff zeigte. Das tatkräftige Duo gründete die Firma PhysioTape.

 

In den vergangenen zehn Jahren haben innerhalb der Firma zahlreiche Entwicklungen stattgefunden. Es wurde ein eigenes Tape entwickelt (CureTape), die Behandlungstechniken wurden unter einen Namen zusammengefasst (Medical Taping Concept) und die japanische Denkweise des Tapens bekam in Europa immer mehr Annerkennung. Der Einzug in ein neues Firmengebäude der Firma PhysioTape macht das 10-jährige Firmenjubiläum komplett. Höchste Zeit für ein Gespräch mit dem Direktor Gert-Jan Olthoff.

 

Als Nijhuis aus Japan wieder zurück war, hatte er ein Stück „Wundertape“ mitgebracht. ‚Er war von Anfang an sehr begeistert’, erzählt Olthoff. ‚Wir haben seinerzeit das Tape verschiedene niederländische und deutsche Physiotherapeuten gezeigt und wirklich niemand kannte es, geschweige wusste wie es wirkt. Daraufhin haben wir beschlossen, den japanischen Erfinder dieser Tapemethode nach Europa einzuladen um Lesungen zu halten. Stück für Stück haben wir das Tape auf diese Weise eingeführt.

 

Wie kam es, dass die Menschen am Anfang so skeptisch waren?

 

‚Das hatte mehrere Gründe’ meint Olthoff. ‚Die Menschen fanden die Methode nicht Glaubwürdig. Man kann nämlich soviel verschiedene Beschwerden mit dem Tape behandeln, dass es zu schön um wahr zu sein schien. Aber es schien wirklich so zu sein. Heute kommen auch die Therapeuten zu unseren Kursen, die damals sagten, dass es nicht Wahr sein kann.’

 

 

‘Eine kleine Gruppe Physiotherapeuten war so begeistert, dass sie sich mehr in die Materie vertiefen wollten. Wir sind zu dieser Zeit sogar mit einer Gruppe nach Japan gereist um dort Kurse zu absolvieren. So entstand langsam ein harter Kern, der immer mehr Behandlungsmöglichkeiten mit dem Tape entdeckte. Mit den meisten aus dieser Gruppe arbeiten wir heute noch zusammen.’

 

 

 

Wie hast du es von der ersten Phase an kommerziell eingesetzt?

 

Geld war am Anfang sicher nicht die treibende Kraft. Da ich aus einer Unternehmerfamilie komme hatte ich immer schon den Drang ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Dies war eine ideale Chance um ein völlig neues Produkt in Europa einzuführen. Es hat lange gedauert, bis wir wirklich etwas daran verdienten. Die ersten Jahre blieb jeder Cent in der Firma und haben wir vor allem in Werbeaktivitäten investiert. Das es nach zehn Jahren harter Arbeit und Investitionen ein kommerzieller Erfolg geworden ist, darauf bin ich natürlich sehr Stolz.’ Aber nochmals, vor zehn Jahren haben wir darüber absolut nicht nachgedacht.

 

Was für Entwicklungen haben innerhalb der vergangenen zehn Jahren in der Firma stattgefunden?

 

Man kann sagen, dass sich ab 2003 alles in einem rasenden Tempo entwickelt hat. Wir haben damals alles restrukturiert. In dieser Periode kamen viele verschiedene Behandlungsmethoden dazu, z.B. das Crosstaping und Lymphtaping. Wir haben seinerzeit beschlossen die verschiedenen Behandlungsmethoden unter einen Namen zusammenzufassen; das Medical Taping Concept. Gleichzeitig sind wir ab diesem Moment mit der Produktion unserer eigenen Marke Tape, CureTape, begonnen.

Dies hat uns auch noch einiges an Geduld gekostet, denn es ist sehr schwer ein Topprodukt zu produzieren. Durch allerlei wissenschaftliche Untersuchungen bei dem TNO (Institut für naturwissenschaftliche Untersuchungen) haben wir letztendlich ein Tape entwickeln können, welches allen Anforderungen entspricht. Dies hat gut zwei Jahre gedauert. Im Nachhinein kann ich hieraus nur schließen, dass es eine super Investition war.

 

Interessantes Produkt, kommerziellen Erfolg ……. Das bedeutet Konkurrenz

 

In den ersten Jahren gab es noch keine Konkurrenz. Das war logisch, denn man konnte auch noch nichts verdienen. Nun, wo wir die Methode bekannt gemacht haben kommen monatlich neue Konkurrenten dazu. Eigentlich spricht da nichts gegen, den Konkurrenz hält dich wachsam. Worüber ich mich immer wieder wunder ist, dass plötzlich jeder behauptet das er es erfunden hat. Das kann ich nicht gut haben, denn das entspricht ganz sicher nicht der Wahrheit. Was ich ebenfalls sehr auffallend finde ist, dass einige einfach mit deinem Namen ein Geschäft beginnen. Wir hatten unser Logo mit dem Namen ‚Medical Taping Concept’ gerade fertig, als Konkurrenten in Deutschland auf den Markt kamen, die die Methode MTC nannten, lediglich mit einem anderen Logo. Nun werden also auch MTC-Kurse durch andere angeboten! Glücklicherweise wird schnell deutlich, dass diese Konkurrenz ein völlig unakzeptables Niveau präsentiert, aber trotzdem. Unser MTC-Logo ist ein Qualitätslogo geworden und das wollen wir auch so halten.

 

Die meisten Konkurrenten beziehen ihr Tape aus China. Es ist sehr günstig aber hat qualitativ nichts zu bieten. Die chinesischen Produkte sind alle mit falschen, billigen Leim hergestellt. Dieser Leim ist absolut nicht dafür geeignet um auf die Haut zu kleben. Man bekommt davon schlimme Hautreizungen. Die meisten Konkurrenten sind auf der suche nach dem Glück und wollen an unserem Erfolg teilhaben. Ich mache mir hierüber nicht so viel Sorgen. Nach einigen Monaten sind diese wieder vom Markt verschwunden.’

 

Worin liegt die größte Kraft von PhysioTape?

 

‘Da wir bei Null angefangen und langsam reingewachsen sind, haben wir eine gute Organisation aufbauen können. Wir haben wirklich ein super Dozententeam und viele loyale und starke Vertriebspartner. Dies ist nicht von einen Tag auf den anderen zu realisieren. Die meisten Dozenten sind von Anfang an dabei. Was ich weiterhin sehr stark an unserem Konzept finde sind die MTC-Kurse. Die Kursteilnehmer sind immer sehr begeistert. Der Kursinhalt und das Material ist hierbei sehr wichtig.

 

 ‘Mehrmals im Jahr treffen wir uns mit allen Dozenten um zu trainieren. Hier ist ein professioneller Trainer dabei. Vor Kurzen haben wir mit den deutschen Dozenten einen ganzen Tag investiert um Präsentationstechniken zu trainieren. Wie vermittelt man so deutlich wie möglich seine Kenntnisse. So versuchen wir unsere Kurse auf ein immer höheres Niveau zu bringen. Und das gelingt!

Gert-Jan Olthoff

 

Jemand, der mit dem billigen Material aus China beginnt kennt den Markt nicht und hat keine Dozenten. Hiervon haben wir nichts zu befürchten. Wenn man etwas längerfristiges aufbauen möchte, dann muss man Qualität liefern. Dies gilt sowohl für das Tapematerial als auch für die Kurse. Wenn wir nicht soviel Wert auf Qualität gelegt hätten, würden wir nun unser zehnjähriges Jubiläum sicher nicht feiern…. Haha.

 

Kannst Du die Perspektive für die kommenden Jahre nennen

 

Ich bin positiv gestimmt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir in 15 europäischen Ländern aktiv und die Anzahl steigt. Gerade sind alle Vorbereitungen abgeschlossen um in den arabischen Ländern zu starten. Das war übrigens schwieriger als wir gedacht haben. Abgesehen der Übersetzungen musste die gesamte Verpackung und unser Fotomaterial geändert werden. In den arabischen Ländern darf man nämlich nicht mit weiblichen Modellen arbeiten und CureTape wird selbstverständlich auf der nackten Haut angebracht. Aus diesem Grunde mussten wir das komplette Bildmaterial neu anfertigen lassen.

 

Alfred Nijhuis

 

 ‚Wir werden in Kürze in ein neues Firmengebäude in Enschede umziehen. Obwohl der Bau ein halbes Jahr länger dauert als geplant war, freue ich mich sehr auf den Umzug. Wir haben hier mehr Lagerraum und sind noch keinen Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Von unserem neuen Standort aus können wir den deutschen Markt sehr gut beliefern. Die bestellten Artikel werden vor 18.00 Uhr über die Grenze gebracht, so dass wir die gleichen Lieferzeiten haben wie eine deutsche Firma.

Die Artikel werden dann also im Regefall bereits am nächsten Tag beim Kunden abgeliefert. Wirklich, der Standort ist super und gibt uns die Gelegenheit auch in Deutschland weiter zu wachsen.

 

Zum Schluß: Welchen Facetten Deiner Arbeit findest Du am schönsten um zu tun.

 

Oh, das ist schwierig. Ich begegne nämlich sehr vielen Facetten, die ich interessant finde. Was mich sehr Anspricht ist, von nichts etwas zu machen. Vor zehn Jahren kannte in Europa niemand diese Behandlungsmethode und schau jetzt mal. Da bin ich natürlich einwenig Stolz drauf. In den letzten Jahren sieht man auch immer mehr Sportler, die das CureTape anwenden. Regelmäßig werde ich von Personen angerufen, die sagen: Schalte den Fernseher an, Dein Tape ist wieder zu sehen. Das ist doch verrückt, oder?!

 

 

Ton Harleman (TwenteVisie 2008)

 

Telegraaf 30-03-2008

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